Das Salz der Ahnen

  • Wenn ich meinen Ofen brenne fühle ich mich wie ein Orchester-Dirigent. Ich gebe den Musikern die Richtung vor und erlaube ihnen Ihren eigenen Geist in das Werk mit einzubringen. Genau wie diese Musiker trägt das Feuer in seiner eigenen Art zu der magischen Entstehung jedes einzelnen Stückes bei.

  • Meinen Sodaofen habe ich 2006 mit meinem Mann nach englischen Holzofen-Vorbildern gebaut.

  • Ab 1100°C wird zusätzlich zum Gas mit Holz geheizt.

  • Bei der Höchsttemperatur von 1280° angelangt wird Natriumcarbonat als Lösung in den Ofen gespritzt.

  • Nachdem eine gewissen Menge an Soda in den Ofen gespritzt wurde, ziehe ich einen Testring, um zu sehen, ob sich die Sodaglasur genug entwickelt hat.

  • Am Ende des Brandes werden alle beweglichen Steine aufgemacht und der Ofen wird bis 1000° C sturzgekühlt. Das ist mein Lieblingsmoment- die Stille nach 14 Stunden Brand.

  • Nach 36 Stunden Abkühlen hat das Warten ein Ende- der Ofen kann geöffnet werden. Während die Türmauer abgebaut wird steigt der Adrenalinspiegel noch ein letztes Mal bevor der erste Blick in den Ofen verrät, ob sich die Mühe gelohnt hat.

Zeitgenössische Keramik, gebrannt mit dem Salz der Ahnen. Als Nachfahrin des bekannten Raerener Töpfers Jan Emens aus dem 16.Jh. habe ich die alte Technik des Salzbrandes aufgegriffen und an meine Arbeit adaptiert. So brenne ich meine Keramik mit Soda anstatt Salz- der Umwelt zuliebe.